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Lange
Zeit glaubte man, Aale entstünden aus dem Schlamm im Ried der Ufer von
Meeren und Flüssen, so spontan traten die großen Züge der jungen Aale
alljährlich im Frühjahr in den Unterläufen der Flüsse auf. Die
Laichgebiete blieben bis Ende des 19. Jahrhunderts unbekannt und erst im
20. Jahrhundert erkannte man, dass die Aale zur Fortpflanzung aus den
Flüssen in die Sargassosee, einem Bereich des westlichen Atlantik
ziehen. Von dort wandern die kleinen Aallarven, wegen ihrer Körperform
auch Weidenblattlarven genannt, nach ca. 2 Jahren an die Küsten Europas,
getrieben von den großen nordatlantischen Meeresströmungen. Mit dem
Erreichen des Kontinents wandelt sich der Körper und wird erst zum Glas-
und dann zum Steigaal. Die ca. bleistiftgroßen Tiere ziehen in großen
Schwärmen die Flüsse hoch. Noch in den 1950er Jahren öffneten die
Schleusenwärter in Bremen für den Aalaufstieg nachts extra die
Schifffahrtsschleusen, um den oft 1-2 Meter breiten und bis zu 100 Meter
langen Schwärmen der Steigaale den Aufstieg in die Weser zu ermöglichen.
In den Flüssen und Bächen wachsen die Aale dann in den folgenden Jahren
zu großen "Gelbaal" genannten Tieren heran. Am Ende dieser Zeit wandern
die Aale, ausgelöst von herbstlichen Wasserstandsanstiegen, die Flüsse
hinunter, zurück in die marinen Laichgebiete. Zu diesem Zeitpunkt
spricht man vom Blankaal.
Der
enorme Reichtum der Aalbestände resultierte in einer jahrhundertealten
Tradition der Flussfischerei. Gut geräucherter Aal gilt vielen als
Delikatesse, und auch für die Sportangler sind Aale eine beliebte
Fischart. Doch die Bestände der Aale, insbesondere der Aufstieg der
Glasaale, sind in den letzten 10 Jahren europaweit dramatisch
zurückgegangen. Heute werden die Aalbestände der Weser und Werra nur
durch den Besatz der Fischerei erhalten. Ein natürlicher Aufstieg in die
Werra findet derzeit nicht statt. Die Ursachen für den Rückgang sind
vielfältig und beziehen sich auf alle Lebensstadien, so dass ein
erfolgreicher Schutz dieser Art auch alle Altersstadien umfassen muss.
Die Wiederherstellung einer funktionierenden Durchgängigkeit der Werra,
Weser und anderer Flüsse ist daher insbesondere für den erfolgreichen
Abstieg der Aale notwendig.
Der
Europäische Aal war 2009 Fisch des Jahres. |

Foto: Schwevers
(2002) |